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Abwärme aus Rechenzentren heizt neues Quartier in Berlin-Spandau

Ein innovatives Wärmekonzept nimmt Gestalt an: Das Neubaugebiet „Das Neue Gartenfeld“ in Berlin-Spandau setzt auf CO₂-freie Wärme. Ein zentraler Baustein ist die Abwärme aus zwei bereits bestehenden nahegelegenen Rechenzentren: Die Anlagen von NTT Data liefern bis zu acht Megawatt Heizleistung.

Wärme für mehr als 10.000 Menschen

Eine zwei Kilometer lange Leitung wird die Rechenzentren mit der Energiezentrale des Quartiers verbinden. Auf 31 Hektar entstehen dort 4.500 Wohnungen, 200 Gewerbeeinheiten sowie Kitas und Schulen für mehr als 10.000 Menschen. Die Abwärme der Rechenzentren erreicht Temperaturen von 20 bis 30 Grad Celsius – genug, damit Wärmepumpen die nötige Vorlauftemperatur von 65 Grad Celsius für das Nahwärmenetz erzeugen können, so NTT Data. Um Spitzenlasten im Winter abzufangen, wird ein Power-to-Heat-Kessel mit 3,6 Megawatt Leistung installiert. Ein Warmwasserspeicher mit 300 Kubikmetern Fassungsvermögen dient als Puffer.

Städte im Wärmewandel

Neuer Bericht betont die Bedeutung von Speichern

Abwärme könnte einen entscheidenden Beitrag zur klimaneutralen Wärmeversorgung leisten, bestätigt auch ein Bericht des Reiner Lemoine Instituts (RLI) und weiterer Partner. Im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung untersuchten sie die Bedeutung von Wärmespeichern für die Wärmewende. Langzeitspeicher könnten demnach den Anteil erneuerbarer Wärme und Abwärme im Berliner Fernwärmenetz um etwa fünf Prozent steigern. Dafür wären 700 Megawatt Wärmeleistung aus Erneuerbaren und Abwärme sowie eine Speicherkapazität von bis zu 440 Gigawattstunden nötig.

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Kurzzeitspeicher wie Behälterwärmespeicher könnten zusätzlich das Stromnetz stabilisieren, indem sie Lastspitzen abfedern und Strom in Wärme umwandeln. Die Studie empfiehlt, die bestehende Kurzzeitspeicherkapazität auf bis zu 6,6 Gigawattstunden zu verdoppeln oder zu verdreifachen.

Unterirdische Aquiferspeicher besonders geeignet

Besonders geeignet für Berlin seien Aquiferwärmespeicher, die Wärme in abgeschlossenen Grundwasserschichten speichern, heißt es in dem Bericht. Diese Technik biete sich an, da der Platz für oberirdische Speicher in der dicht bebauten Stadt begrenzt ist. In dezentralen Quartiersnetzen könnten solche Speicher bis zu 33 Prozent der Jahreswärme aufnehmen und die Abwärme von Rechenzentren oder Abwassersystemen nahezu vollständig nutzen.

„Die Wärmewende gelingt nur mit Geothermie“

Doch bis dahin bleibt noch viel zu tun: Ob der Berliner Untergrund geologisch für diese Speicher geeignet ist, muss erst geprüft werden, räumt das RLI ein. Auch rechtliche Hürden, etwa bei Genehmigungsverfahren, stehen noch im Weg. In Spandau ist man weiter: 2025 ziehen die ersten Bewohner ein, zunächst mit einer Interimslösung. Die Abwärmeversorgung startet ein Jahr später.