Windturbinenunternehmen Enercon hat den Prototyp der angekündigten leistungsstärkeren Variante der künftigen Flaggschiffanlage E-175 errichtet. Wie die Hersteller getriebeloser Windenergieanlagen am Mittwoch mitteilten, ist die Testanlage der künftig bis zu 7,0 Megawatt (MW) leistenden Turbine mit 175 Meter Rotordurchmesser nun installiert. Sieben Monate nach der Fertigstellung des ersten E-175-Prototyps mit 6,0 MW Nennleistung am nordrhein-westfälischen Standort Borchen steht nun in Wachendorf bei Syke im südlichen Bremer Umland die leistungsstärkere Turbine mit denselben äußeren Abmaßen. Wie der erste Prototyp entstand auch diese Anlage auf einem Turm für 162 Meter Nabenhöhe.
Enercon stellt erste E-175 fertig
Enercon plant Sieben-Megawatt-Turbine auf 175-Meter-Turm
Windparks mit Anlagen von 170 Metern Spannweite bei Herstellertrio beauftragt
Die höhere Nennleistung allerdings schafft das Unternehmen aus Aurich mit dem Neudesign des Generators. Die sogenannte Außenläuferkonstruktion lässt den rotierenden Teil des Generators um einen inneren stehenden Statorteil drehen, statt wie beim 6,0-MW-Modell umgekehrt als Innenläuferkonstruktion den Rotor oder Läufer in einem äußeren stehenden Statorring. Dadurch konnten die Enercon-Ingenieure den Luftspalt zwischen Magneten und elektrischen Spulen statt mit nur 5,5 Meter Durchmesser nun mit 9,5 Meter Durchmesser auslegen. Durch den größeren Radius mit Platz auch für mehr Magnete kann Enercon das Drehmoment erhöhen und damit auch die Nennleistung. Weil der Generator mit insgesamt 10 Metern Durchmessern sehr breit ausfällt, entwickelten die Enercon-Ingenieure einen geteilten Generator, dessen zwei Hälften mit jeweils 62 Tonnen und maximal 4,99 Meter Breite sich gut auf Lastwagen transportieren lassen. Auf der Baustelle montierte das Enercon-Errichterteam den Generator auf dem Turm direkt am Maschinenhaus zusammen.
Das Modell soll ab 2026 lieferbar sein und sich dank verschiedenen neuen Betriebsmodi für unterschiedliche Standorte spezifisch einstellen lassen. E-175 ist nach der V172 von Vestas, SG 7.0-170 von Siemens Energy und N163 beziehungsweise auch N175 von Nordex mit bis zu 7,0 und im Fall von N175 mit bisher bis zu 6,8 Megawatt Nennleistung der vierte Windenergieanlagentyp für Windparks an Land, die sieben MW Nennleistung erreicht oder zumindest dieser neuen Leistungsklasse zugehörig gerechnet werden darf.