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Nicht ganz fossilfrei: Italien will „Wachstumsmotor“ Erneuerbare „mit Pragmatismus“ betreiben

Die stark gewachsene Bedeutung des jährlichen Branchentreffens für die Energiewende in Rimini lässt sich nicht nur am statistisch messbaren Zuspruch messen: Mehr als 1.000 Aussteller und damit ein Fünftel mehr als im Vorjahr, ein Anteil ausländischer Aussteller von 30 Prozent an der Standfläche sowie 20 von der Branchenschau bespielte Ausstellungshallen – noch einmal vier mehr als 2024 – machten die zum dritten Mal als eigenständige Energiewendeschau geführte Veranstaltung zu einer eindeutigen Positionsbestimmung der italienischen Energiewende. Darüber hinaus stellte der italienische Umwelt- und Energiesicherheitsminister Gilberto Pichetto Fratin klar, welche wichtigen strategischen Vorteile eine gelingende Energiewende dem Land aus Sicht der rechten Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni einspielen soll. Sie solle das Land in eine Schlüsselrolle in der Mittelmeerregion führen. Der Wechsel zu einer neuen Energieversorgung müsse schnell erfolgen, verdeutlichte Fratin mit später auch medial zitierten Aussagen vor Journalisten, weil „die ersten, die reichlich Energie zu einem wettbewerbsfähigen Preis erhalten, die Gewinner sind“.

So diente die dreitägige Konferenz sowie Technik- und Wirtschaftsschau nicht zuletzt als Plattform für ein bekräftigtes Bekenntnis zu den Energiewendezielen im offiziellen Nationalen Integrierten Energie- und Klimaplan (PNIEC). Das im Juli 2024 aktualisierte PNIEC definiert als freiwillig festgelegtes, gültiges Zielprogramm des Landes im Rahmen des internationalen Klimaschutzvertrages von Paris von 2015, wie weit Italien bis 2030 mit Erneuerbaren-Ausbau und Klimaschutz gekommen sein muss. Demnach sollen dann im Stromsektor Erneuerbare-Energien-Anlagen mit 131 Gigawatt (GW) Erzeugungskapazität in Betrieb sein, davon 80 GW Photovoltaik, 28 GW Windkraft inklusive zweier erster schon fertig gestellter kommerzieller Meereswindparks, 19 GW Wasserkraft, 3 GW Bioenergie-Erzeugung und 1 GW Geothermie. Statt wie noch heute zu 41 Prozent soll der Strom dann schon zu 63 Prozent aus Erneuerbare-Energien-Quellen stammen, die aber auch schon fast 40 Prozent des Endenergieverbrauchs abdecken müssen. Damit müsste das Land in den kommenden sechs Jahren nun insbesondere 43 GW Photovoltaik und 15 GW Windkraft dazu gewinnen. Wenige Tage vor der Messe hatte die Regierung auch die lange erwartete Übergangs-Ausschreibungsregelung Fer-X-Transitorio für die Vergabe von Vergütungsrechten bis Ende 2025 für Projekte mit weiteren 4 GW Windkraft veröffentlicht, auf die schon bald die Ausschreibungsregelung Fer-X für die weiteren Auktionen bis 2028 folgen soll.

Branchenvertreter und Politiker in Gesprächen nach gemeinsamem Podiumsauftritt (links: Minister Pichetto Fratin)

Tilman Weber

Branchenvertreter und Politiker in Gesprächen nach gemeinsamem Podiumsauftritt (links: Minister Pichetto Fratin)

Mit dem PNIEC sei Italien klar auf erneuerbare Energien ausgerichtet, betonte der Minister. Allerdings verwies der Politiker aus der konservativ marktliberalen Regierungspartei Forza Italia auf den von der Meloni-Koalitionsregierung seit 2023 offiziell verfolgten Kurs eines Wiedereinstiegs in die Atomkraft und möglicherweise der vorübergehenden Nutzung weiterer fossiler Energiequellen. Italien müsse den Weg eines Pragmatismus gehen, auf dem es gelinge, eine „Reihe von Dekarbonisierungsmöglichkeiten zu eröffnen“. Schon 2030 wolle Italien erste kleinere neue Kernkraftwerke betreiben, bestätigte der Minister den wenige Tage vor der Messe auf einem Ministertreffen festgezurrten Plan zum Bau neuartiger kleiner modularer Nuklearrektoren, sogenannter Small Modular Reactors (SMR). Demnach müsste die Technologie 2030 schon 11 Prozent zur nationalen Stromversorgung beitragen.

Gianni Armani, der Präsident des Stromwirtschaftsverbands Elettricità Futura, erklärte derweil, dass Italien „ein großes Potenzial hat, das wir so schnell wie möglich nutzen müssen. In der Tat stellen erneuerbare Energien heute die kostengünstigste Energiequelle dar und sind nicht von geopolitischen Schwankungen abhängig“.