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Für technologieoffene Ausschreibungen

Solarpraxis-Chef Karl-Heinz Remmers über die Vorteile einer gemeinsamen Auktion für Windenergieplaner und Solarprojektierer in Deutschland.

Nicole Weinhold

Technologieoffene Ausschreibungen haben ihre Berechtigung, findet Solarpraxis-Chef Karl-Heinz Remmers. Im Folgenden seine Meinung:

Die EU hat uns mit dem 32-Prozent-Ziel über alle Sektoren hinweg eine stramme Vorgabe geliefert. Sollen das vornehmlich Wind und Solar bis 2030 bringen, so müssen ab sofort eher doppelstellige Gigawatt-Zubauraten pro Jahr realisiert werden. Bisher haben wir Wind und Solar mit einem Gesetz „zum Billigmachen“ der verschiedenen Techniken, dem EEG, vorangetrieben. Mit den beiden Techniken stehen Erneuerbare in Deutschland bereits jetzt zu niedrigeren Kosten als alle neuen fossil-nuklearen Kapazitäten zur Verfügung. Das EEG selbst wurde allerdings nicht in Richtung eines neuen Energie­rechts entwickelt.

Und so unterscheidet das Gesetz fein nach jeder Erzeugungsart und definiert diese im Gesetz detailliert. Unter anderem dadurch kommt es zu vielen Lücken, sodass Clearingstelle und Fachanwälten die Interpretation schwerfällt. Jede Erzeugungsart kann in den EEG-definierten Flächen bauen, wo sie will, und hat den (theoretischen) Anspruch auf kostengünstigen Netz­anschluss sowie Vorrang für den eigenen Strom im Netz.

Der Netzum- und -ausbau hält vielfach mit der Erzeugung nicht Schritt. Vorhandene Windnetz­anschluss-Kapazitäten werden aber nicht einfach mit gleicher PV-Leistung genutzt. Es gibt einige Anfänge, aber nicht einmal die triviale Erkenntnis, dass man mit PV auch in (Wind-) Netzausbaugebieten vergleichbare Nennleistungen ohne Netzerweiterung durch die komplementäre Erzeugung hat, findet Eingang ins EEG.

Dem EEG ist es noch immer egal, wie der Strom zum Verbraucher kommt. Das ist bei Gebäuden auch ziemlich klar, außerhalb dieser wird es derzeit komplex. Wind und Solar erzeugen begrenzt planbar, Solar produziert nur tagsüber Strom. Also ist es höchste Zeit, technologieoffen auszuschreiben mit dem Ziel, Planbarkeit schrittweise zu integrieren und die Regionen zu verpflichten, ihre Verteilnetzbereiche zu nutzen.

Das heißt dann in der EEG-Denke: Innovationsausschreibung. Diese ist aber bitte schön technologieoffen, denn wie zum Beispiel eine halbe Stunde exakte Planbarkeit einen Tag im Voraus erreicht wird, sollte doch offen sein.

Da kann man sich viel überlegen. Schritt für Schritt kommt man so mit Netzen, Speichern als Netzelement und Abstimmung mit dem Verbrauch den 100 Prozent Erneuerbaren im System näher. Deshalb sind natürlich technologieoffene Ausschreibungen mit dem Ziel, den niedrigsten Preis pro Kilowattstunde zu erreichen, sehr schwach. Da gewinnt mal Wind oder mal Solar. Sonst ändert sich nichts. Eine kleine Verteilnetzkomponente war bereits als Denkansatz vorhanden. Das geht noch deutlich besser. Gleichzeitig bleibt der Erneuerbaren-Branche keine andere Wahl als die technologieoffene Innovationsausschreibung endlich zu gestalten. Sie sollte sich nicht länger in der alten EEG-Burg verschanzen. Einfach nur ein „Nein, das wollen wir nicht“ bringt gar nichts.

Dieser Artikel ist unserem Printmagazin - ERNEUERBARE ENERGIEN 6/2018 entnommen.

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