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Windrecht

Vorgezogene Weihnachtsgeschenke für die Windbranche

Windexperte Klaus Övermöhle von Övermöhle Consult aus Hamburg schreibt über Sonderausschreibungen und geringfügige Absenkung der Höchstwerte für 2019.

Klaus Övermöhle

Das, woran ich selbst nicht mehr geglaubt habe, ist am Freitag den 30. November geschehen: Die 4.000 Megawatt Sonderausschreibungen für Windenergie an Land, als auch für Solar, die bereits im Koalitionsvertrag vereinbart waren und von der Branche eindringlich gefordert wurden, sind vom Bundestag im Rahmen der Beschlüsse zum „Energiesammelgesetz“ endlich verabschiedet worden. Konkret bedeutet das ein zusätzliches Ausschreibungsvolumen für Wind an Land von 1.000 Megawatt Ende 2019, von 1.400 Megawatt 2020 und von 1.600 Megawatt 2021. Damit hat die Politik das erste Mal seit langem ein Signal zum verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzt, das seine positive Wirkung auf das Wachstum in der Windbranche nicht verfehlen wird.

Demnächst mehr BImSchG-Genehmigungen

Nach meiner langjährigen Erfahrung werden demnächst auch wieder mehr BImSchG-Genehmigungen erteilt, da die untergeordneten Behörden von der Politik die Ansage bekommen haben, dass ein verstärkter Windenergieausbau in Deutschland wieder gewollt ist. In den letzten Jahren war eher das Gegenteil der Fall: Allerorten wurde gebremst oder „schlecht geredet“, wo es nur ging. Für die nächsten Monate erwarte ich auch positive Entscheidungen zu Gunsten der Windbranche in den Bundesländern - zum Beispiel eine Aufhebung des Wind-Moratoriums in Schleswig-Holstein.

Auch für die deutschen Projektentwickler ist das der ersehnte Anlass, wieder Vollgas zu geben. Aufgrund der erhöhten Planungssicherheit gibt es keinen Grund mehr, hier zurückhaltend zu agieren. Die Personalstärke in den Planungsunternehmen aber auch in den Genehmigungsbehörden ist vorhanden, um ab dem Jahr 2020 wieder über 4.000 Megawatt Bruttozubau pro Jahr zu realisieren.

Positive Nachricht von der Bundesnetzagentur

Eine weitere positive Nachricht kam von der Bundesnetzagentur: Der Höchstwert für Ausschreibungen Wind an Land wurde von 6,30 Cent pro Kilowattstunde auf 6,20 Cent gesenkt, also nur um 0,1 Cent. Wir hatten wegen der niedrigen Anlagenpreise mit einer Absenkung auf 5,7 Cent gerechnet. Aufgrund der wenigen aktuell vorliegenden BImSchG-genehmigten Projekte erwarten wir daher in den Ausschreibungen 2019 wieder Zuschlagswerte nahe den Höchstwerten. Für viele Projekte mit guten Windverhältnissen ergeben sich aus der komfortablen Preisentwicklung voraussichtlich erneut Windfall-Profits, da die Anlagenpreise erheblich gefallen sind und die Zinsen tendenziell weiter niedrig bleiben.

Hohe Verkaufspreise bei Windprojekten

Die Verkaufspreise von Windprojekten haben mittlerweile extrem hohe Werte erreicht. Der Grund dafür ist in der durch die Europäische Zentralbank verursachten Geldschwemme und dem dadurch entstandenen Anlagenotstand der Investoren (Stichwort: Negativzinsen) zu sehen. Die Flucht in Realwerte, wozu auch die Windenergieanlagen zählen, wird sich fortsetzen und für hohe Verkaufspreise sorgen. Nach unserer Meinung sind, wie es einer meiner dänischen Kollegen offen sagt, viele „stupid investors“ im Markt. Die Renditeerwartungen haben ein derart niedriges Niveau erreicht, dass sie die Risiken in Windprojekten bei Weitem nicht mehr abdecken. Für viele Investoren wird es deshalb in den nächsten Jahren eine böse Überraschung geben.

Das Fazit lautet: Zum Jahresende, quasi als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für die Windbranche, wurden zwei politische Entscheidungen getroffen, die wieder stark hoffen lassen. Zwar lässt der sich fortsetzende Markteinbruch im kommenden Jahr mit einem voraussichtlichen Bruttozubau von 2.300 bis 2.500 Megawatt nicht mehr stoppen, doch 2020 wird es unserer Meinung nach wieder aufwärts gehen - endlich!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine schöne Adventszeit, frohe Weihnachten, einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019 und natürlich weiterhin viel Erfolg in diesen stürmischen Zeiten. Kontakt und Infos finden Sie hier.

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