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Gebäudetechnik

Rebound - Wohlstandseffekt als Klimakiller

Gebäudeeffizienz ist eine Herausforderung, vor allem weil jeder Mensch immer mehr Wohnraum einnimmt. Beim Dena-Kongress wurde darüber diskutiert.

Nicole Weinhold

Gebäudeeffizienz war eines der Themen auf dem Dena-Kongress in Berlin Ende November. Tilo Kurtz, Referatsleiter im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg, erinnerte an die „technisch-gesellschaftliche Herausforderungen: Wir dürfen nicht darauf warten, dass irgendwann die Knallertechnik da ist.“ Man müsse schon jetzt dringend handeln bei der Gebäudeeffizienz. Kurtz berichtete vom Rebound-Effekt in Gebäuden: der Verbrauch pro Quadratmeter habe einen Effizienzgewinn. „Aber es gibt auch 38 Prozent mehr Gebäudewohnfläche seit 1991. Das sind 27 Prozent mehr Pro-Kopf-Fläche. Das verschlingt die Effizienzeffekte. Wir brauchen auch ein Umdenken.“ Er gibt ein Beispiel dazu aus dem Straßenverkehr. Auch E-Autos würden im Stau stehen, darum brauche man viel mehr Ideen wie Carsharing und Job-Tickets, sodass weniger Autos auf den Straßen rollen.

Umfrage unter Bürgern zum Klimaschutzgesetz

Der erste Schritt dazu ist Aufklärung und Verständnis für die Bedürfnisse der Bürger. In Baden-Württemberg hat man das gut umgesetzt. Das Umweltministerium von Baden-Württemberg war gerade unter den vier Gewinnerprojekten des Wettbewerbs "Ausgezeichnet! – Wettbewerb für vorbildliche Bürgerbeteiligung" prämiert, zu dem das Bundesumweltministerium (BMU) und das Umweltbundesamt (UBA) aufgerufen hatten. In der Kategorie "Regelung" wurde das Ministerium für Umwelt, Klimaschutz und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg für seine Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung am integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept Baden-Württemberg (IEKK) ausgezeichnet. Das IEKK wurde als Teil eines Landes-Klimaschutzgesetzes im Rahmen einer landesweiten Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung umfassend erarbeitet.

Mythos demaskieren, dass Mieten wegen Sanierung steigen

Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des GdW, Dachverband der wohnungs- und immobilienwirtschaftlichen Regionalverbände, fügte zum Thema Effizienz an: „Man muss ein Verständnis wecken, dass das alles nicht zum Nulltarif zu haben ist.“ Mieten seien auch gestiegen, weil in Effizienzsanierungen investiert wurde. Man müsse zudem Gebäude stärker nutzen, um saubere Energie zu erzeugen, aber dazu sei sie noch nicht günstig genug.

Kurtz konterte bei diesen Worten: „Man muss den Mythos demaskieren, dass Mieten wegen Sanierung steigen. Auch vor 30 Jahren gab es Sanierungen.“ Effizienzsanierung sei kein Preistreiber bei Mieten. „Effizienz ist die einzige Maßnahme, die auf beiden Seiten zu Einsparungen führt.“

Impulse für neue, innovative Technologien

Andrea Bräuning ist Leiterin der Geschäftsstelle Living Lab, Robert Bosch GmbH: Das Innovationsnetzwerk Living Lab für Ludwigsburg geht Fragen nach wie: Wie soll die Zukunft unserer Städte aussehen? Wie passen sich die Städte von Morgen dem Klimawandel an? Wie begegnen wir den Herausforderungen des demografischen Wandels? In dem 2015 gegründeten Innovationsnetzwerk arbeiten die Stadt Ludwigsburg, Partner aus Wirtschaft, Industrie und Forschungseinrichtungen in einzigartiger kooperativer Weise zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit sollen sich Impulse für neue, innovative Technologien entwickeln, die dann vor Ort unter realen Bedingungen im Stadtraum erprobt werden können.

Quartiersbezogene Lösungen, nicht einzelne Gebäude

Detlef Raphael, Beigeordneter des Deutschen Städtetages, machte darauf aufmerksam, dass Siedlungsstruktur ein Problem sei. „Wir müssen uns öffnen für den Gedanken an quartiersbezogene Lösungen, nicht einzelne Gebäude.“ Wenn man dasselbe Geld einsetze für 20 Gebäude, und dort dann die wirksamsten Maßnahmen, wäre das viel besser für den Klimaschutz. „Da hat man mehr Effekt für dasselbe Geld.“ Auch Esser sagte: „Wir müssen in Quartieren denken.“ Und Bräuning ergänzte: „In der Realität ist da ein dickes Brett zu bohren – raus aus Gebäuden, rein ins Quartier – und das Ganze verbinden mit Mobilität.“

Kurtz sagte, zentral sei ein CO2-Preis in allen Sektoren, dann entstehe vieles von allein. Eine gute Idee sei darüber hinaus, wenn beim Heizungstausch mindestens 15 Prozent Erneuerbare sein müssen, „das wirkt“. „Das Erneuerbaren-Wärmegesetz ist ein guter Ansatz.“ Er schränkt ein: „Aber Mieter müssten CO2-Steuer zahlen, ohne Einfluss zu haben.“ Als weitere Maßnahme nannte er eine Innovation aus Wuppertal, Remscheid. Dort gebe es einen Bauherrenratgeber, der auch Klimawandel und klimagerechtes Bauen berücksichtigt.

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