Foto: BVES/Team Consult

Speicher

Nachfrage nach Speichersystemen wächst weiter

Die Speicherhersteller blicken optimistisch in die Zukunft. Denn sie erwarten auch für dieses Jahr steigende Umsätze. Schon im vergangenen Jahr haben sie mehr Systeme verkauft als noch 2017.

Der Markt für Stromspeicher wächst weiter. Nach Angaben des Bundesverbandes Energiespeicher (BVES) stiegen die Umsätze der Speicherhersteller im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Davon haben sie einen Umsatz von 660 Millionen Euro mit Heimspeichern erwirtschaftet. Weitere 1,27 Milliarden Euro wurden mit Groß- und Industriebatteriespeicher umgesetzt. Dazu kommen noch Wärmespeicher mit einem Umsatz von 950 Millionen Euro und 70 Millionen Euro für Power-to-Gas-Speicher. Zusätzliche 250 Millionen Euro wurden mit Forschung und Entwicklung erwirtschaftet.

Für dieses Jahr erwarten die Branchenvertreter abermals ein Wachstum auf 3,7 Milliarden Euro Umsatz über alle diese Segmente. Keines der befragten Mitgliedsunternehmen des BVES geht von einem sinkenden Umsatz aus. Nur jeder fünfte erwartet einen gleichbleibenden Umsatz. Die restlichen 80 Prozent prognostizieren Umsatzsteigerungen.

Großspeicher haben es schwer

Allerdings werden die Umsätze im Bereich der Großbatteriespeicher weiter stagnieren. Der BVES nennt als Grund dafür die niedrigen Preise für Primärregelleistung aufgrund der Marktsättigung. Schließlich erwirtschaften die großen Speichercontainer hauptsächlich mit dieser Systemdienstleistung Gewinne. Die Nachfrage nach Großspeichern wird inzwischen ausschließlich getrieben vom Willen der Netzbetreiber, den Ausbau des Verteilnetzes auf diese Weise zu reduzieren, indem überschüssiger Wind- und Solarstrom zwischengespeichert wird, damit die bisherigen Netzkapazitäten ausreichen. „Für die Energiewende ist es ein Erfolgsprinzip und energiewirtschaftlich sinnvoll, um das schwankende Angebot von Solar- und Windenergie an die Stromnachfrage anzupassen und den Netzausbaubedarf zu reduzieren“, betont Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW Solar.

Wachstum wird vor allem im Bereich der Gewerbe- und Industriespeicher und Heimspeicher statt. Die Unternehmen der Branche erwarten außerdem eine steigende Nachfrage nach Speichern für Offgrid- oder Microgrid-Lösungen. Den größten Absatz versprechen sich die Hersteller aber immer noch im Bereich der Heimspeicher.

Immer weniger Speicher gefördert

Wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) mitteilt sind in Deutschland inzwischen über 120.000 Heimspeicher installiert. Der BVES spricht sogar von etwa 125.000 Heimspeichern. Immerhin 55 Prozent aller neuen Solaranlagen werden inzwischen gleich mit einem Speicher errichtet, wie die KfW-Bank berichtet. Etwa zehn Prozent des Marktes macht die Nachrüstung von bestehenden Solaranlagen mit einem Speicher aus. Dabei kommt es den Hauseigentümern weniger auf eine Förderung an. Denn der Anteil der Speicher, die mit einem Kredit und einem dazugehörigen Tilgungsbonus der KfW-Bank gebaut werden, sinkt immer weiter.

Nach Schätzungen des Instituts für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe (ISEA) der RWTH Aachen, die unter anderem auf den Zahlen der KfW-Bank beruhen, wurden in Deutschland im vergangenen Jahr etwa 40.000 Heimspeicher installiert. Für nur etwa fünf Prozent davon wurde eine Förderung beantragt. Zum Vergleich: Zwischen 2013 und 2015 wurden noch 55 Prozent aller Heimspeicher mit einer Förderung gebaut.

Ein Pumpspeicherkraftwerk steht in Deutschlands Kellern

Die Gesamtleistung der in Deutschland installierten Heimspeicher beträgt nach Angaben der ISEA und des BVES etwa 440 Megawatt. Das ist die Leistung eines großen Pumpspeicherkraftwerks. Sie können zusammen mehr als 900 Megawattstunden Strom zwischenlagern. Dazu kommen noch einmal 314 Megawatt Leistung von Großbatteriespeichern zur Netzstabilisierung. Bis Ende dieses Jahres schätzt der BVES, dass die installierte Leistung von Großspeichern auf 380 Megawatt wachsen wird. Die Leistung von Heimspeichern wird in diesem Jahr sogar auf 600 Megawatt ansteigen.

Der Treiber des Marktes vor allem für Heimspeicher sind unter anderem die fallenden Systempreise. Inzwischen kostet ein Speichersystem nur noch halb so viel wie im Jahr 2013 – gemessen als Preis pro Kilowattstunden Kapazität. Aber auch die Sektorenkopplung im Eigenheim lässt die Verkaufszahlen steigen. Mit dem gespeicherten Strom zu heizen oder das Elektroauto zu betanken, wird für viele Eigenheimbesitzer immer attraktiver. Deshalb wird auch die nutzbare Batteriekapazität von Heimspeichern immer größer. Lag sie im Jahr 2014 noch bei durchschnittlich unter sechs Kilowattstunden ist sie im vergangenen Jahr auf über acht Kilowattstunden gewachsen.

Regularien vereinfachen

Auch der BSW Solar erwartet weitere Marktimpulse für die Errichtung von Heim- und Gewerbespeicher durch die Elektromobilität. In einer Studie, die in Zusammenarbeit mit der TU Braunschweig entstanden ist, hat der Branchenverband gezeigt, wie sich mit einer intelligenten Verzahnung von Speichern, Solarenergie und Ladeinfrastruktur der für die Verkehrswende notwendige Stromnetzausbau deutlich reduzieren lässt.

Die Speicherbranche könnte aber noch schneller wachsen. Hemmnisse sieht sie vor allem in den regulatorischen Rahmenbedingungen. „Energiespeicher sind ein zentraler Pfeiler für den Erfolg der Energiewende. Doch ohne passende rechtliche Einordnung können sie ihren umfassenden systemischen Beitrag nicht leisten“, erklärt Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des BVES. Auch der BSW Solar appelliert an die Politik, die Regulierung dezentraler Stromspeicher zu vereinfachen, um ihrer hohen energiewirtschaftlichen Bedeutung gerecht zu werden und die von der EU vorgegebene Richtung endlich in nationales Recht umzusetzen. Denn Brüssel hat entschieden: Speicher dürfen bei der Erbringung von Netzdienstleistungen nicht mehr doppelt mit Abgaben und Umlagen belastet werden dürfen. Dadurch könne künftig ein gewaltiger Schwarm dezentraler Speicher mit Hilfe der Digitalisierung für netzdienliches Verhalten deutlich leichter aktiviert werden.

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