Echtzeitinformationen über den aktuellen Verbrauch helfen Ressourcen einzusparen.
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Effizienz

Mit Echtzeit-Feedback Energie sparen

Ressourcen schonen funktioniert nur über den Preis? Dieses Dogma haben Wissenschaftler unter die Lupe genommen und Erstaunliches festgestellt.

Katharina Wolf

Stimmt es, dass Menschen nur bereit sind, Ressourcen zu schonen, wenn es teuer wird? Forscher der ETH Zürich und der Universität Bamberg wollten es genauer wissen und untersuchten, ob nicht auch Daten in Echtzeit eine Verhaltensänderung bewirken können.

Als Versuchsgruppe halfen als 10.000 ganz normale Gäste in sechs Schweizer Hotels. Die Duschen dieser Hotels wurden mit Geräten ausgestattet, die den Wasser- und Energieverbrauch pro Duschvorgang erfasste. Doch während ein Teil der Geräte den Wasserverbrauch und die -temperatur während des Duschens anzeigt, stellte der übrige Teil der Geräte nur die Wassertemperatur dar. Insgesamt wurden fast 20.000 Duschvorgänge erfasst und ausgewertet.

Information hilft sparen

Das Ergebnis: Die Gäste, denen neben der Temperatur auch der Verbrauch mitgeteilt wurde, verbrauchten gut 11 Prozent weniger Warmwasser, obwohl sie in keinster Weise finanziell profitierten - die Zimmerrechnung war nicht vom Wasserverbrauch abhängig.

Üblich sind Echtzeitverbrauchsanzeigen bereits beim manchen Automarken - doch hier trifft der hohe Verbrauch den Fahrer in der Regel direkt im Portemonnaie.

„Die Ergebnisse zeigen, dass verständliche Informationen zum persönlichen Verbrauch zu großen Einsparungen führen können. Dabei ist es wichtig, dass der Nutzer oder die Nutzerin die Informationen bereits während der Handlung einsehen kann“, sagt Prof. Dr. Thorsten Staake, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Energieeffiziente Systeme an der Universität Bamberg. Im Fall der Studie sank der Warmwasserverbrauch um 11,4 Prozent beim Duschen, also um 0,22 Kilowattstunden pro Duschvorgang.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis: In der Studie konnte der Selektionseffekt ausgeschlossen werden. „Sowohl für die Forschung als auch für die Praxis ist wichtig, dass es sich bei den Studienteilnehmenden um reguläre Hotelgäste handelt, die sich nicht extra für die Studie angemeldet haben“, erklärt Anselma Wörner, Doktorandin an der ETH Zürich. „Andere Studien basieren auf für ihren Studienzweck angeworbenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. So lässt sich nur schwer ausschließen, dass diese nicht besonders interessiert an Umweltthemen sind, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse gefährdet. Dass bei uns dieser Auswahleffekt nicht vorliegt, macht die Ergebnisse besonders relevant.“

Und die Energiebilanz?

Durch Herstellung und Nutzung verbrauchen Feedback-Systeme selbst Energie – weisen sie trotzdem eine positive Energiebilanz auf? „Oft wird außer Acht gelassen, wie viel Energie etwa Raumwärme und Warmwasser benötigen“, sagt Samuel Schöb, Doktorand an der Universität Bamberg und Entwickler der Software der Verbrauchsanzeige, die vom ETH-Spinoff Amphiro AG hergestellt wird. „Mit der Energie, die man in nur einer Sekunde unter der Dusche benötigt, kann man über eine Stunde am PC arbeiten.“ Und: „Das Gerät kommt ohne Batterien aus, da es die Energie aus dem Wasserfluss erzeugt. Zudem kompensieren die durchschnittlichen CO2-Einsparungen die Produktion bereits nach wenigen Monaten.“

Das Forscherteam ist sich einig: Wichtiger als die konkrete Anwendung in Hotels ist das Potenzial, das die Studie für zahlreiche andere Anwendungen intelligenter Alltagsgegenstände aufzeigt: Autos, Stromzähler, Heizungen, Drucker, Kreditkarten – viele Objekte sammeln Daten in Echtzeit, die sich auch zur Förderung eines nachhaltigen Konsums einsetzen lassen.

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