Foto: Thomas Einberger / argum

Solarenergie

BSW Solar warnt vor Markteinbruch

Der BSW Solar warnt vor einem Markteinbruch, wenn der 52-Gigawatt-Deckel nicht gestrichen wird. Den Strompreis wird das nicht weiter belasten. Denn der Solarstrom wird immer preiswerter.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) warnt vor einem Marktzusammenbruch in Deutschland, wenn die installierte Photovoltaikleistung die Marke von 52 Gigawatt erreicht hat. Denn dann wird die komplette EEG-Förderung eingestellt. So bekommen die Betreiber von Anlagen, die errichtet werden, wenn der Zubau 52 Gigawatt überschritten hat, keine Einspeisevergütung und keine Marktprämie mehr. Dieser Termin rückt näher. Denn derzeit sind in der Bundesrepublik Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 45 Gigawatt installiert. Diesen Wert hat zumindest die Bundesnetzagentur als Anlagenbestand mit Stichtag 31. August 2018 bekanntgegeben.

Eine Analyse des BSW Solar hat ergeben, dass vor allem das Segment der Solaranlagen für Gewerbe- und Industriebetriebe betroffen sein wird. Sollte keine Gesetzesänderung eine Folgeförderung klar regeln, werden die Installationszahlen in diesem Segment drastisch zurückgehen. Denn der Deckel ist nach Berechnungen des BSW Solar bereits in einem Jahr erreicht. Doch auch wenn es länger dauern sollte, die Investitionsentscheidungen für größere Anlagen müssen bald getroffen werden. Wenn dann das Risiko besteht, dass die Anlage keine Einspeisevergütung mehr bekommt, werden die Investoren vor allem in große Anlagen zurückhaltender.

Der Deckel muss weg

Deshalb fordert der BSW Solar eine umgehende Streichung dieses Zubaudeckels. Schließlich falle für neue Anlagen immer weniger Förderung an, weil der Solarstrom immer preiswerter wird. Selbst Freiflächenanlagen brauchen in naher Zukunft keine Marktprämie mehr, weil sie den Strom zum Börsenstrompreis produzieren und die Anlagen allein auf diese Weise wirtschaftlich sind. Allerdings sind die Neuanlagen noch nicht ganz so weit und sind noch für einige Jahre auf die Marktprämie aus dem EEG angewiesen. Diese kann auch nur flankierend zur Verfügung stehen, falls der Börsenstrompreis die Kosten für die Stromproduktion nicht ganz abdeckt.

Die Marktprämie wird dann quasi zum Sicherheitsnetz. Das ist durchaus noch notwendig, da ohne das Risiko der Anlagenbetreiber steigt. Dieses müssen sie dann bei der Finanzierung des Systems mit einpreisen, wodurch die Investitionskosten steigen, obwohl die Anlagen selbst immer preiswerter werden. Die Systempreise für schlüsselfertige neue Solarstromanlagen sind in den letzten zehn Jahren um 75 Prozent gesunken.

Sonderauktionen können Zusammenbruch nicht aufhalten

Auf Basis eines reinen Marktwertes können Solaranlagen im politisch gewünschten Umfang derzeit aber noch genauso wenig errichtet werden wie Windkraftanlagen. „Der Solardeckel stammt aus einer Zeit, in der Solarstrom noch teuer war“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW Solar. „Mittlerweile zählt die Photovoltaik zu den günstigsten Energieerzeugungsformen überhaupt. Es ist nicht vermittelbar, dass die Bundesregierung angesichts der Klimakrise und des angestrebten Kohleausstiegs bei der Solarenergie weiter auf der Bremse steht. Die Streichung des Förderdeckels wird in den nächsten Wochen zum Lackmustest ihrer Glaubwürdigkeit in Sachen Klimapolitik.“

Auch Regierungsberater warnten bereits vor einem deutlichen Marktrückgang für den Fall, dass der Deckel nicht beseitigt wird. Die Installation von Dachanlagen würde dann auf wenige Megawatt pro Jahr zusammenschrumpfen. Ohne eine Beseitigung des Solardeckels würden auch die gegenwärtig von der Bundesregierung geplanten Sonderausschreibungen für ebenerdig errichtete Solar- und Windparks ins Leere laufen, die vom Bundeskabinett in den nächsten Tagen beschlossen werden sollen. „Die Sonderauktionen werden zum Taschenspielertrick, wenn der Solardeckel nicht zeitgleich fällt!“, betont Körnig. „Die hier erwartbaren Zusatzmengen an Ökostrom werden den befürchteten Markteinbruch bei der Gebäudephotovoltaik nicht annähernd auffangen können.“ Selbst wenn die Bundesregierung die im Rahmen der Sonderausschreibungen errichteten Anlagen nicht auf den Deckel anrechnet, wäre dies nur ein fauler Kompromiss, sagt Körnig. Schließlich wird der Deckel bereits erreicht, bevor die Solarparks, die nach den Sonderausschreibungen errichtet werden, auch nur eine Kilowattstunde Strom liefern.

Kommentar

Der Deckel muss weg

Der BSW Solar hat ein Papier veröffentlicht, in dem die Abschaffung des 52-Gigawatt-Deckels gefordert wird. 15 Wirtschafts-, Handwerks-, Immobilien-, Energie- und Umweltverbände unterstützen das Anliegen tatkräftig.

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